Trotz Coro­na-Infek­ti­on: Apo­the­ken wol­len geöff­net bleiben

08.04.2020 | Zahl der Woche

Ber­lin – Schutz­maß­nah­men, Anste­ckungs­ge­fahr, Kurz­ar­beit: Die Coro­na-Pan­de­mie stellt Apo­the­ken­teams vor neue Her­aus­for­de­run­gen. Dabei gilt eine Schlie­ßung der Offi­zin infol­ge einer Infek­ti­on im Team für vie­le Apo­the­ken als Worst-Case-Sze­na­rio. Gemäß Robert Koch-Insti­tut (RKI) muss im Fal­le einer Erkran­kung in einer Apo­the­ke nicht unbe­dingt das kom­plet­te Per­so­nal unter Qua­ran­tä­ne gestellt oder die Apo­the­ke direkt geschlos­sen wer­den. Die­se Vor­ge­hens­wei­se befür­wor­ten drei Vier­tel der Apotheker:innen und PTA (75 Pro­zent), wie die aktu­el­le apo­scope-Umfra­ge zeigt.

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Der Kun­den­an­sturm, den vie­le Apo­the­ken zu Beginn der Coro­na-Pan­de­mie ver­zeich­nen konn­ten, gehört durch das Kon­takt­ver­bot inzwi­schen vie­ler­orts der Ver­gan­gen­heit an. Wäh­rend die Hälf­te der Befrag­ten (49 Pro­zent) von einer gleich­blei­ben­den oder sogar stei­gen­den Kun­den­an­zahl berich­tet, ist für 46 Pro­zent ein Kun­den­rück­gang spür­bar. In der Fol­ge kamen bereits in der Vor­wo­che (Kalen­der­wo­che 14) Maß­nah­men wie fle­xi­ble Arbeits­zei­ten (30 Pro­zent), Über­stun­den­ab­bau (22 Pro­zent) oder Kurz­ar­beit (8 Pro­zent) zum Tra­gen. Hin­zu kom­men bei rund einem Drit­tel der Umfrageteilnehmer:innen Sor­gen um die eige­ne wirt­schaft­li­che bzw. finan­zi­el­le Lage (31 Pro­zent) sowie das wirt­schaft­li­che Über­le­ben der Apo­the­ke (29 Prozent).

Apo­the­ken­per­so­nal will Schlie­ßun­gen vermeiden

Wird die Apo­the­ke auf­grund einer Infek­ti­on im Team geschlos­sen, dürf­te dies gra­vie­ren­de wirt­schaft­li­che Fol­gen haben. Zwar geben 90 Pro­zent der Apotheker:innen und PTA an, dass es in ihrem Kol­le­gen­kreis bis­her kei­ne Covid-19-Erkran­kung gab, den­noch muss­ten in den letz­ten Wochen bereits meh­re­re Apo­the­ken auf­grund einer Infek­ti­on schlie­ßen. Die gute Nach­richt ist jedoch: Gemäß dem RKI ist es im Fal­le einer Infek­ti­on in der Apo­the­ke nicht zwin­gend not­wen­dig, direkt alle Mitarbeiter:innen unter Qua­ran­tä­ne zu stel­len und die Offi­zin zu schlie­ßen. Statt­des­sen kön­ne der Betrieb und damit die phar­ma­zeu­ti­sche Ver­sor­gung unter gewis­sen Vor­aus­set­zun­gen auf­recht­erhal­ten wer­den. Die­ses Vor­ge­hen stößt bei drei Vier­tel aller Befrag­ten (75 Pro­zent) auf Zustim­mung. Dabei ist der Zuspruch unter den Inhaber:innen am größ­ten (97 Prozent).

Sor­ge um ande­re steht für Apo­the­ken wei­ter an ers­ter Stelle

Auch wenn die Exis­tenz­angst unter den Apo­the­ken­teams wächst, gilt ihre größ­te Sor­ge wei­ter­hin ande­ren: Knapp zwei Drit­tel (64 Pro­zent) der Befrag­ten sind der­zeit am häu­figs­ten um die Gesund­heit von Ange­hö­ri­gen aus einer Risi­ko­grup­pe besorgt. Erst an zwei­ter Stel­le folgt die Sor­ge um die wirt­schaft­li­che Sta­bi­li­tät Deutsch­lands (56 Pro­zent). Wei­te­ren 32 Pro­zent berei­tet die eige­ne kör­per­li­che Gesund­heit Sor­gen. Zudem befürch­ten mehr als drei Vier­tel (78 Pro­zent) des Apo­the­ken­per­so­nals, dass sich das Coro­na­vi­rus in den nächs­ten Wochen wei­ter mas­siv aus­brei­ten wird. Zwei Drit­tel (66 Pro­zent) gehen außer­dem von vie­len Todes­op­fern in Deutsch­land aus, auch wenn die­se Befürch­tun­gen im Ver­gleich zur Vor­wo­che (82 Pro­zent sowie 70 Pro­zent) leicht zurück­ge­gan­gen sind.

Behand­lung von Covid-19: Kei­ne Bevor­ra­tung mit Mor­phin und Co.

Die Zahl der Erkrank­ten wächst auch in Deutsch­land wei­ter und die Suche nach geeig­ne­ten Behand­lungs­mög­lich­kei­ten läuft auf Hoch­tou­ren. In Apo­the­ken wer­den wei­ter­hin vor allem fie­ber­sen­ken­de Mit­tel (83 Pro­zent) sowie Schmerz­mit­tel (76 Pro­zent) stark nach­ge­fragt. Zur Behand­lung von Covid-19-Erkran­kun­gen kom­men auch Opi­ate wie Mor­phin oder Seda­ti­va infra­ge. Eine Bevor­ra­tung mit ent­spre­chen­den Medi­ka­men­ten hält aller­dings die Mehr­heit der Befrag­ten (58 Pro­zent) der­zeit nicht für sinn­voll. Für die Hälf­te der Apotheker:innen und PTA ist eine Bevor­ra­tung mit Mor­phin (50 Pro­zent) und Fen­tanyl (47 Pro­zent) der­zeit kein The­ma, bei Suf­en­ta­nil (73 Pro­zent), Remi­fen­ta­nil (71 Pro­zent) und Mida­zo­lam (61 Pro­zent) ist der Anteil sogar noch höher.

In Bezug auf Schnell­tests auf Anti­kör­per gegen Sars-CoV‑2 nach öster­rei­chi­schem Vor­bild ist das Apo­the­ken­per­so­nal gespal­ten: Knapp die Hälf­te der Befrag­ten (47 Pro­zent) wür­de sol­che Tests in ihrer Apo­the­ke begrü­ßen, wäh­rend die ande­re Hälf­te (48 Pro­zent) dies ablehnt. Um den Anstieg der Infek­ti­ons­zah­len wei­ter zu ver­lang­sa­men, spre­chen sich 50 Pro­zent der Umfrageteilnehmer:innen für eine Ver­län­ge­rung des Kon­takt­ver­bo­tes um zwei bis vier Wochen aus. Außer­dem wünscht sich mehr als die Hälf­te (53 Pro­zent) eine Mund­schutz­pflicht beim Einkaufen.

Hin­weis zur Methodik

apo­scope befragt seit dem 25. Febru­ar 2020 jede Woche veri­fi­zier­te Apotheker:innen und PTA online zum The­ma Coro­na­vi­rus. An der aktu­el­len Umfra­ge zur „Zahl der Woche“ nah­men am 7. April 2020 ins­ge­samt 306 Apotheker:innen und PTA teil. Die Fra­ge­stel­lung lau­te­te: „Gemäß Robert Koch-Insti­tut (RKI) soll bei einer Coro­na-Infek­ti­on in einer Apo­the­ke nicht mehr zwin­gend das gesam­te Per­so­nal in Qua­ran­tä­ne genom­men und die Apo­the­ke geschlos­sen wer­den. Inwie­weit hal­ten Sie die­se Vor­ge­hens­wei­se für sinn­voll?“ Mög­li­che Ant­wor­ten waren „Sehr sinn­voll“, „Sinn­voll“, „Eher sinn­voll“, „Eher nicht sinn­voll“, „Nicht sinn­voll“, „Über­haupt nicht sinn­voll“ und „Kei­ne Angabe/Weiß nicht“. Die Umfra­ge ist reprä­sen­ta­tiv für die deut­sche Apothekenlandschaft.