Coro­na­vi­rus – Jede vier­te Apo­the­ke mit Pandemieplan

05.03.2020 | Zahl der Woche

Ber­lin – Lie­fer­eng­päs­se, beun­ru­hig­te Kun­den und ver­ein­zelt Mit­ar­bei­ter in Qua­ran­tä­ne – in den Apo­the­ken hat sich die Lage in Bezug auf den Coro­na-Aus­bruch ver­schärft. Das zei­gen die Ergeb­nis­se einer apo­scope-Umfra­ge unter Apo­the­kern und PTA und ins­be­son­de­re die Ver­gleichs­wer­te zur Umfra­ge von vor einer Woche. Die­se bele­gen aber auch: Die Apo­the­ken sind für vie­le Men­schen eine wich­ti­ge Anlauf­stel­le – und die Teams in der Offi­zin entspannt.

Diagramm Zahl der Woche KW 10 Coronavirus

Da sich das Virus nun auch in Deutsch­land schnel­ler aus­brei­tet (aktu­ell 240 Fäl­le) und täg­lich neue Ver­dachts­fäl­le bekannt wer­den, ist die Auf­merk­sam­keit wei­ter gestie­gen. In den Apo­the­ken hält man die Auf­re­gung für auf­ge­bauscht: 90 Pro­zent fin­den, dass das The­ma in den Medi­en dra­ma­ti­siert wird, in der Vor­wo­che waren es noch 69 Pro­zent. Auch die Sor­ge, dass es hier­zu­lan­de bald ver­mehrt Todes­fäl­le auf­grund der Virus-Epi­de­mie geben könn­te, ist zumin­dest in den Apo­the­ken zurück­ge­gan­gen. Zwar haben immer noch 28 Pro­zent die­se Angst, vor einer Woche waren es aber noch signi­fi­kant mehr (37 Pro­zent). Und die meis­ten (69 Pro­zent) hal­ten die „nor­ma­le“ Grip­pe für gefähr­li­cher als CoV‑2.

Trotz­dem: Einer Mehr­heit von 55 Pro­zent zufol­ge sind ein­zel­ne Kol­le­gen im Team wegen des Coro­na­vi­rus ner­vös. Und die­ser Wert ist deut­lich gestie­gen. 17 Pro­zent der Apo­the­ken beob­ach­ten eine stei­gen­de Zahl an Krank­mel­dun­gen in der Beleg­schaft. Und auch in den Apo­the­ken gehen die aller­meis­ten (85 Pro­zent) davon aus, dass sich das Coro­na­vi­rus in den nächs­ten Wochen „mas­siv ver­brei­ten“ wird. 59 Pro­zent erwar­ten zudem, dass das öffent­li­che Leben mas­siv ein­ge­schränkt wird.

In rund jeder vier­ten Apo­the­ke gibt es einen Not­fall- oder Pan­de­mie­plan. Heißt aber auch: In 62 Pro­zent der Apo­the­ken gibt es nach Anga­ben der Inha­ber noch kei­nen. In abso­lu­ten Ein­zel­fäl­len wur­den sogar schon Mit­ar­bei­ter von öffent­li­cher Stel­le unter häus­li­che Qua­ran­tä­ne gestellt.

Die Apo­the­ken selbst ver­su­chen, sich vor­zu­be­rei­ten und sich mit bestimm­ten Pro­duk­ten zu bevor­ra­ten – sofern das über­haupt noch geht. Unter den meist genann­ten Pro­duk­ten im Frei­t­ext­feld fin­den such Des­in­fek­ti­ons­mit­tel, Atem­mas­ken und Ein­mal­hand­schu­he als Mit­tel zur Prä­ven­ti­on. Aber etwa jede zehn­te Apo­the­ke bestellt auch über den nor­ma­len Bedarf hin­aus Anti­bio­ti­ka und Schmerzmittel.

Wäh­rend Atem­schutz­mas­ken und Des­in­fek­ti­on­mit­tel in vie­len Apo­the­ken (89 bzw. 86 Pro­zent) aus­ver­kauft sind, hat sich mitt­ler­wei­le auch bei ande­ren Pro­duk­ten die Nach­fra­ge spür­bar erhöht: Deut­lich mehr als gewöhn­lich wer­den Medi­zin­pro­duk­te zur Infekt­ab­wehr (40 Pro­zent), Fie­ber­ther­mo­me­ter (40 Pro­zent) und Grip­pe­mit­tel (33 Pro­zent) verkauft.

Das Pro­blem: Die all­ge­mei­ne Lie­fer­si­tua­ti­on ist alles ande­re als gut: Nur 4,9 Pro­zent der Befrag­ten gaben an, die bestell­te Ware voll­stän­dig erhal­ten zu haben. Zwei Drit­tel (67 Pro­zent) erhiel­ten die Ware nur teil­wei­se, 22 Pro­zent gar nichts. Außer­dem haben 20 Pro­zent der Befrag­ten das Gefühl, dass die Kun­den seit Aus­bruch der Kri­se ver­stärkt online bei Ver­sand­apo­the­ken bestel­len. Aktu­el­le Umsatz­zah­len der Ver­sen­der stüt­zen die­se Vermutung.

Das The­ma Coro­na-Virus ist in der Offi­zin all­ge­gen­wär­tig: 91 Pro­zent der Befrag­ten gaben an, mehr­mals täg­lich von Kun­den auf die Epi­de­mie ange­spro­chen zu wer­den. Bei den Nach­fra­gen geht es jetzt ver­stärkt auch um Dia­gno­se und Ver­hal­ten im Fall einer Infek­ti­on. Die zwei­te Zahl in der Klam­mer bil­det das Ergeb­nis der Vor­wo­che ab.

  • Wie schüt­ze ich mich vor dem Coro­na­vi­rus? 78 Pro­zent (76)
  • Wie gefähr­lich ist das Coro­na­vi­rus wirk­lich? 47 Pro­zent (40)
  • Wie steckt man sich mit dem Virus an? 36 Pro­zent (28)
  • Wor­an erken­ne ich, ob ich infi­ziert bin (Sym­pto­me)? 27 Pro­zent (20)
  • Wie muss ich mich ver­hal­ten, wenn ich den Ver­dacht habe, infi­ziert zu sein? 22 Pro­zent (13)
  • Gibt es schon einen Impf­stoff? 21 Pro­zent (17)
  • Wie erfolgt die Behand­lung? 16 Pro­zent (6)
  • Wie ist der Krank­heits­ver­lauf? 12 Pro­zent (10)
  • Wel­che Länder/Gebiete soll­te ich der­zeit lie­ber nicht berei­sen? 6,4 Pro­zent (9)

Ein­deu­ti­ger ist die Ent­wick­lung bei der Fre­quenz der Nach­fra­gen: „Wie häu­fig wer­den Sie von Ihren Kun­den auf das The­ma ‚Coro­na­vi­rus‘ angesprochen?“

  • mehr­mals täg­lich: 91 Pro­zent (41)
  • täg­lich: 7 Pro­zent (32)
  • im Wochen­rhyth­mus: 0,5 Pro­zent (6)
  • ver­ein­zelt: 0,5 Pro­zent (16 )
  • noch gar nicht: 0 Pro­zent (4)

Pati­en­ten mit mas­si­ven Erkäl­tungs­be­schwer­den erhal­ten in Apo­the­ken meist den Rat, bei ihrem Haus­arzt zunächst anzu­ru­fen (72 Pro­zent). Den direk­ten Besuch in der Pra­xis emp­feh­len 20 Pro­zent, jeder Zehn­te rät dazu, den Haus­be­such zu bestel­len. Etwas mehr (13,3 Pro­zent) die Kon­sul­ta­ti­on beim zustän­di­gen Gesund­heits­amt. In die Not­auf­nah­me schi­cken nur 5,4 Pro­zent die Kun­den mit den bekann­ten Symptomen.

Bei der Fra­ge nach der Infor­ma­ti­ons­po­li­tik schnei­den die zustän­di­gen Behör­den wie das Robert Koch-Insti­tut bes­ser ab als das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um. Ins­ge­samt füh­len sich die Teams in den Apo­the­ken aber gut informiert.

Hin­weis zur Methodik

Die Ergeb­nis­se der apo­scope-Umfra­ge zur „Zahl der Woche“ wur­den am 03. März 2020 mit ins­ge­samt 203 veri­fi­zier­ten Apotheker:innen und PTA online erho­ben. Die Umfra­ge ist reprä­sen­ta­tiv für die deut­sche Apothekenlandschaft.
Den ori­gi­nal Arti­kel fin­den Sie auf APOTHEKE ADHOC.